Emma Weiß holt das Olympia-Ticket: „Es war ein richtig guter Tag“

10.1.2026 Von Larissa Bühler, schwaebische.de


Das Olympia-Ticket ist gesichert! Emma Weiß machte in Kanada eine richtig gute Figur und holte zum zweiten Mal in ihrer Karriere einen Podestplatz im Aerials-Weltcup.

 

Optimal waren die Bedingungen schon vor der Saison nicht für Emma Weiß. Wieder gab es einen Trainerwechsel, Unterstützung vom deutschen Verband bekommt die einzige Aerials-Starterin der Bundesrepublik ebenfalls nicht. Doch Emma Weiß lässt sich davon nicht von ihren Zielen abbringen. Das Ticket für die Winterspiele in Milano-Cortina sollte her – und das hat die Albstädterin nun auch geschafft.

Harte Arbeit

Von Anfang an war Emma Weiß die Herausforderung mit viel Selbstbewusstsein angegangen. Einmal Top Acht oder zweimal Top 15 waren im Weltcup nötig, um sich für Olympia zu qualifizieren. Schon bei der ersten Etappe in Finnland war Weiß auf einem guten Weg, fiel nach dem starken dritten Rang in der Quali dann aber im ersten Finale auf Rang neun zurück. Damit war eben erst die halbe Miete geholt – und in China reihte sich die Albstädterin dann nur auf Rang 17 ein.

Zum Jahreswechsel war Olympia damit noch nicht gesichert, doch nervös wurde Weiß nicht. Akribisch arbeitete sie mit ihrem Vater Armin Weiß weiter an ihrer Form, gönnte sich auch an den Feiertagen nur eine kurze Pause. „Der 25. Dezember war eigentlich der einzige Tag, an dem ich frei hatte“, berichtet die 25-Jährige. Trampolin, Ballett, Einheiten im Gym – ein anspruchsvolles Programm, das auch an Emma Weiß nicht spurlos vorüberging. „Aber mein Papa hat mich immer wieder gepusht und gesagt, dass wir die Zeit jetzt nutzen müssen.“

„Ein richtig guter Tag“

Denn auf den Reisen im Weltcup-Zirkus kann der Vater seine Tochter nicht begleiten, schließlich muss die heimische Ballettschule geleitet werden. So kümmert sich unterwegs der tschechische Nationaltrainer Jaroslav Novak um Weiß. Die Zusammenarbeit klappt gut, man versteht sich – aber von einer Betreuung, wie sie manche Konkurrentin im Weltcup-Zirkus hat, kann Weiß nur träumen. Auch finanziell gibt es kaum Unterstützung vom Deutschen Ski-Verband. So muss „nebenher“ auch noch Sponsorensuche betrieben werden.

Dabei helfen Erfolge – und auch deshalb kam die Olympia-Quali nun gerade recht. Beim Weltcup in Kanada konnte Weiß für eine Überraschung sorgen. Am Dienstag löste sie nicht nur das Ticket, sondern erreichte sogar den dritten Rang. Es war der zweite Podestplatz ihrer Karriere, den ersten holte sie 2020 in Ruka. „Es war ein richtig guter Tag“, betont Weiß. „Ich war so happy, zurück auf dem Podest zu sein. Und wenn ich es jetzt nicht geschafft hätte mit Olympia, wäre ich, glaube ich, schon ein bisschen nervös geworden.“

Premiere im Superfinale

Der Tag begann früh, um 5 Uhr stand Weiß auf. Start der Qualifikation war um 8.45 Uhr – 80,32 Punkte gab es für den ersten Sprung. Damit reihte sich Weiß an achter Stelle ein. Olympia war damit sicher, der Wettkampftag aber noch lange nicht vorbei. „Ich habe dann mit Jari drüber geredet, wie wir es im Finale machen sollen“, so Weiß. „Für mich war klar, dass ich jetzt angreifen will und den Double-Full-Tuck mal im Wettkampf zeigen will. Auch um zu sehen, wie er bewertet wird, falls ich den eben bei den Olympischen Spielen machen will.“ Ein gewisses Fragezeichen, laut Weiß wurde der Sprung seit rund zehn Jahren nicht mehr im Wettkampf gezeigt.

Der letzte Double-Full-Tuck im Training war bei Weiß zu diesem Zeitpunkt gut einen Monat her, in Kanada gelang er nun ebenfalls. Dann rückte aber noch während des Trainings vor dem Finale wieder der Full-Full in den Fokus. „Ich habe zwischendurch auch mit meinem Papa telefoniert, der auch gesagt hat, dass ich den machen soll, um ins Superfinale zu kommen“, erzählt Weiß. So zeigte sie in der Runde der besten Zwölf noch einmal denselben Sprung wie in der Quali, holte diesmal 81,90 Punkte – und schaffte wie erhofft den Sprung in die Top Sechs.

Dann war es aber doch Zeit, den neuen Sprung auch mal im Wettbewerb zu zeigen. „Das Training lief nicht gut, und dann habe ich noch fast meinen Start verpasst“, blickt Weiß zurück. „Aber ich hatte trotzdem eine richtig gute Landung und auch in der Luft war es nicht so schlecht.“ Das sahen die Kampfrichter ähnlich, gaben 79,33 Punkte. Und nach ein bisschen Zittern im Wettkampf-Endspurt war dann klar: Damit belegt Weiß den dritten Platz. „Ich habe die ganze Zeit gebetet, dass es reicht“, verrät Weiß. „Aber überhaupt habe mich einfach den ganzen Tag so krass von Gott getragen gefühlt und war sehr verbunden mit ihm. Da war es echt schön, die Bühne nutzen zu dürfen.“

Deutlich weniger Punkte

Ein schöner Tag, der jedoch nicht spurlos an der Albstädterin vorbeiging. „Ich habe dann richtig schlecht geschlafen, bin gar nicht zur Ruhe gekommen“, so die 25-Jährige. „Schon beim Aufwachen dachte ich dann direkt, dass das ein harter Tag wird.“ Beim zweiten Weltcup in Lac Beauport lief es im Training dann zunächst nicht schlecht, „aber das Wetter war richtig verrückt“, so Weiß. Der Schneefall schob den Startpunkt für die Skikunstspringerinnen immer weiter nach oben. „Am Ende waren es wahrscheinlich ungefähr acht Meter Unterschied. Es gibt Trainingseinheiten, da bewege ich mich nur um ein paar Zentimeter.“

Weiß trotzte den Gegebenheiten, war mit dem Sprung letztlich auch zufrieden. Nicht ganz einverstanden war sie dagegen mit der Wertung. Nur 74,02 Zähler gab es diesmal. „Ich musste einfach am Schluss ein bisschen reinziehen“, erklärt Weiß. Das bedeutete letztlich Platz 14, die Finals fanden ohne die Albstädterin statt. In gewisser Weise war Weiß darüber aber auch erleichtert. Denn nach dem Wettkampf am Mittwoch ging die Reise weiter in die USA, wo am Sonntag und am Montag die nächsten Weltcup-Springen anstehen. „Zwei Trainingstage und dann haben wir wieder zwei Wettkämpfe – das ist ein krasser Zeitplan, den wir da jetzt fahren.“

Olympia rückt in den Fokus

Für Weiß ist das Vorgehen klar: In Lake Placid will sie Selbstvertrauen tanken. „Es geht darum, sich möglichst schnell an die Schanze zu adaptieren. Ich werde mich im Training auf Lay-Full und Full-Full konzentrieren“, betont die 25-Jährige. „Aber ich würde dann schon gern ins Finale einziehen und wieder die Konstellation zeigen wie in Kanada.“
Nach dem Weltcup bleibt Weiß noch ein paar Tage in den USA, um sich auf die Winterspiele vorzubereiten. „Dann fliege ich zurück nach Deutschland zur Olympia-Einkleidung“, so die Albstädterin. Nach einem kurzen Abstecher in die Heimat geht es dann weiter nach Airolo, wo Weiß zunächst mit ihrem Ex-Trainer, dem Schweizer Michel Roth, weiter an der Form feilt. Mit etwas Verspätung stößt dann Armin Weiß dazu, um am Feinschliff zu arbeiten.

Die Aerials-Quali bei Winterspielen steigt dann am 17. Februar, am Folgetag sind die Finals angesetzt. Nach der Olympia-Premiere 2021 in China ist Livigno nun nahezu ein Heimspiel für die einzige deutsche Aerials-Athletin. „Ich freue mich schon so sehr darauf“, blickt die 25-Jährige voraus. Dann will Emma Weiß wieder auf der ganz großen Bühne zeigen, wozu sie fähig ist.