Das Ski-Evangelium
Lasset uns vernehmen die Worte des Ski-Evangeliums, die geschrieben stehen im siebten Buch Moses, Vers 8, Kapitel 21, Zeile 5.
Zu jener Zeit, da die Menschen auf Erden noch nichts vom Skifahren und sonstigen Winterfreuden wußten, Pulverschnee und Pappschnee noch unbekannte Begriffe waren, da begab es sich, daß die Menschen im Allgemeinen noch wenig Sinn und Freude an der Natur und deren Schönheit hatten, vielmehr die Tage verschliefen und die Nächte in Lasterhöhlen verbrachten, wo sie sich dem Tanze und dem Suff ergaben. Darob erzürnte sich der Herr und sprach: "Ich will sie züchtigen!" Und siehe da, die Schleusen des Himmels öffneten sich und es schneite sieben Tage und Nächte lang. Die Erde bedeckte sich mit einer weissen Decke, die Wege und Stege waren tief verschneit, also auch die Wege die zu den Lasterhöhlen und Wirtshäusern führten. Darob entstand unter der schlemmenden Menschheit grosse Trübsal, denn sie mussten hinter dem Ofen sitzen und waren den Launen des zänkischen Weibes ausgesetzt.
Nun lebte zu jener Zeit ein Mann, der statt zu schlemmen und zu prassen stets mit Weib und Kind hinauswanderte und sich der Schönheit der Natur erfreute. Ihm erschien im Traum der liebe Petrus und sprach:
"Gehe hin und zimmre Dir, Deiner Frau und Deinen Kindern aus langen Brettern ein Paar Ski, befestige diese an den Sohlen und ziehe hinauf auf Deine geliebten Berge, auf dass Dir deren Schönheit geoffenbart werde, so wie Du sie noch nicht gesehen hast."
Dieser tat nun, wie ihm Petrus geheissen, er zog hinaus auf die Höhen, kein Weg und Steg war zu sehen und doch fand er seinen Weg, zog seine Spur über Höhen, durch den im herrlichen Rauhreif prangenden Winterwald, sauste über Hänge hinab und schüttelte lachend den Schnee aus dem Barte, den er unfreiwillig hineintunkte. Also wie er, tat auch seine Frau und seine Kinder und allmählich wuchs eine zu hunderttausende zählende Familie heran, sie ernannten Petrus zu ihrem Schutzheiligen, liebten und verehrten ihn und beteten ihm also:
Lieber Petrus mein, lass es recht tüchtig schnein,
in die Täler auf die Höhn, Freestyle-Skifahrn ist so schön.
Und nun lasset uns beten:
Regen im Winter nix für uns
Allzuviel Kinder nix für uns
Bach und See nix für uns
Pappschnee nix für uns
Allzuviel Sonnenschein nix für uns
Schlechter und teurer Wein nix für uns
Hang und Fels nix für uns
Teure Hotels nix für uns
Schlechte Zeit nix für uns
Skiweibsleut nix für uns
für uns Freestyler, alles Leide soll se meide, von nun an bis in alle Ewigkeit.
Versalzene Suppen nix für uns
Salonpuppen nix für uns
Herren im Frack nix für uns
Snowboarderpack nix für uns
Lackschuh nix für uns
Mittagsruh nix für uns
Spurverhunzer nix für uns
Schneeverbrunzer nix für uns
für uns Freestyler, alles Leide soll se meide, von nun an bis in alle Ewigkeit.
Magere Kost nix für uns
Saurer Most nix für uns
Wildes Getier nix für uns
Dünnes Bier nix für uns
Verrissene Hosen nix für uns
Fettlose Sossen nix für uns
Breite Spur nix für uns
Hungerkur nix für uns
für uns Freestyler, alles Leide soll se meide, von nun an bis in alle Ewigkeit.
Skibruch nix für uns
Keuchen und Schwitzen nix für uns
Zerbrochene Spitzen nix für uns
Schlechte Bindung nix für uns
Schnee-Erblindung nix für uns
Lausige Latten nix für uns
Die immer Pappen nix für uns
für uns Freestyler, alles Leide soll se meide, von nun an bis in alle Ewigkeit.
Ora pro nobis,
wer weiss obs wor isch,
unser Geld wird gar nie schimmelig,
denn mer brauchet immer ziemlich.
Amen